Deutschlands größte Internetseite steckt in Turbulenzen. Aus Frust über neue Datenschutzbestimmungen haben Zehntausende Mitglieder ihren Namen gefälscht. Alte Bekannte finden sich nicht mehr wieder. Auch von anderer Seite droht dem Online-Netzwerk bald Gefahr.
Die Meldung lässt aufhorchen. Wer dieser Tage bei Deutschlands größtem Online-Netzwerk StudiVZ seinen Namen ändert, erhält einen „Sicherheitshinweis“. Darin wird gesäuselt: „Dein Name ist schön“ und vor allem: „Dein richtiger Name ist uns wichtig“. Mit solchen Sätzen möchte StudiVZ verhindern, dass sich Nutzer unter falschen Namen registrieren.
Das „Studentenverzeichnis“ ist die erfolgreichste deutsche Webseite. 4,7 Millionen Mitglieder erzeugen monatlich 5,3 Milliarden Seitenabrufe; der Ableger SchülerVZ schafft genauso viel. Bei beiden legen Nutzer Profile an, verraten ihre Hobbys, laden Fotos hoch und treffen Bekannte. Nach eigenen Angaben ist StudiVZ seit dem Jahreswechsel profitabel. Die Verlagsgruppe Holtzbrinck („Die Zeit“, „Handelsblatt“) verlangt jedoch mehr. Sie will mit den Daten der Nutzer Geld verdienen, mit personalisierter Werbung.
Der Verlag hatte StudiVZ vor einem Jahr für 85 Millionen Euro erworben. Klassische Werbebanner bringen StudiVZ wenig. Geld fließt nur, wenn die Nutzer darauf klicken. Und das tun sie selten. Die StudiVZ-Manager wollen nun Anzeigen auf die Interessen der Nutzer abstimmen und so die Erlöse des Internetportals kräftig steigern.
Vor allem beim Geldverdienen hat Facebook einen Vorsprung. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen rund 150 Millionen Dollar Umsatz, mit Werbung und dem Verkauf von Zusatzdiensten wie virtuellen Postkarten. Seit November verwendet Facebook auch personalisierte Werbung. Viele Mitglieder beschwerten sich, kleine Zugeständnisse beim Datenschutz beruhigten die Gemüter allerdings. Massenhafte Namensfälschungen wie bei StudiVZ gab es nicht. Investoren bewerten Facebook inzwischen mit 10,2 Milliarden Euro.
Holtzbrinck versucht dagegenzuhalten. Nach Informationen von „WELT ONLINE“ erwägt die Verlagsgruppe, StudiVZ mit dem neuen Nachrichtenportal „Zoomer.de“ zu verzahnen. StudiVZ-Mitglieder könnten direkt zu Zoomer.de gelockt werden – wo wiederum Geld mit Werbung gemacht wird. Geplanter Start: Anfang Februar. 2008 soll StudiVZ mehr als zehn Millionen Euro Gewinn einfahren. Hilfreich wäre da ein Erfolg gegen die Namensfälscher. Einige Mitglieder springen dem Unternehmen inzwischen sogar bei. Ihre Initiative heißt: „Die AGB-Hysterie nervt.“
Quelle: welt.de
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